Über ganz Sardinien verteilt findest du tausende steinerne Türme: die Nuraghen. Sie stehen auf Hügeln, entlang von Straßen und manchmal mitten auf einer Wiese – als hätte sie jemand dort einfach „abgestellt“. Spoiler: Das ist vor tausenden Jahren passiert. Schätzungen zufolge gibt es rund 7.000 Nuraghen. Manche sind kaum größer als ein Gartenhaus, andere so monumental, dass man sich fragt, wie sie ohne Kräne gebaut werden konnten. Die bekannteste? Nuraghe Su Nuraxi – UNESCO-Welterbe und eine der wenigen Nuraghen, die du auch von innen besichtigen kannst.
Was sind Nuraghen?
Eine Nuraghe ist ein prähistorischer Steinturm aus der Bronzezeit (ca. 1800–500 v. Chr.). Die riesigen Felsblöcke liegen einfach aufeinander – ohne Zement – und stehen seit Jahrtausenden stabil. Allein das ist schon beeindruckend.
Wofür sie genau genutzt wurden? Das weiß bis heute niemand sicher. Und genau das macht sie so spannend. Die Theorien reichen von:
- Verteidigungsanlagen
- Wohnstätten
- Tempeln
- Versammlungsorten
- Wacht- oder Aussichtstürmen (oder alles zugleich)
Manche Nuraghen bestehen aus nur einem Turm, andere – die richtig großen – haben mehrere Türme, Innenhöfe, Gänge und Treppen. Nuraghe Su Nuraxi ist dafür das beste Beispiel.
UNESCO-Welterbe: Nuraghe Su Nuraxi (Barumini)
Nuraghe Su Nuraxi liegt im Dorf Barumini und ist zweifellos die berühmteste Nuraghe Sardiniens. Nicht ohne Grund gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Die Anlage wurde um 1500 v. Chr. erbaut. Das bedeutet: Schon vor tausenden Jahren existierte auf Sardinien eine hochentwickelte Gesellschaft. Solch gut erhaltene Bauwerke aus dieser Zeit findet man nur an wenigen Orten.
Die Anlage besteht aus:
- einem riesigen zentralen Turm
- mehreren kleineren Türmen
- verbindenden Mauern
- schmalen Gängen
- Innenhöfen
- einem tiefen Brunnen
Rundherum wurden Überreste von Häusern und Werkstätten entdeckt. Es handelte sich also nicht um einen einzelnen Turm, sondern um eine lebendige Siedlung, in der Menschen lebten, arbeiteten und zusammenkamen.
Der zentrale Turm ist heute noch 14 Meter hoch, ursprünglich war er vermutlich sogar höher. Der Brunnen reicht etwa 20 Meter in die Tiefe. Wenn du durch die engen Gänge gehst und die gewaltigen Steine über dir siehst, fühlt es sich an, als wärst du direkt in die Bronzezeit zurückgereist.

Führung durch eine Nuraghe auf Sardinien – sinnvoll oder nicht?
Ganz ehrlich: Ein Haufen Steine begeistert mich nicht automatisch. Ja, das klingt respektlos, denn es ist natürlich viel mehr als das. Wir haben auf Sardinien mehrere Nuraghen besucht, aber ohne Erklärung blieb für mich vieles abstrakt. Vielleicht ist genau deshalb eine Führung eine gute Idee.
Ohne Guide siehst du vor allem beeindruckende Steine. Mit Guide bekommst du die Geschichte dazu: wie gebaut wurde, wie die Menschen hier lebten und warum Archäologen bis heute über die Funktion der Nuraghen diskutieren.
Bei Nuraghe Su Nuraxi kannst du:
- alle Türme betreten
- durch schmale Gänge gehen
- Innenhöfe erkunden
- die verschiedenen Theorien hören (inklusive aller Zweifel)
Es gibt auch eine geführte Tour ab Cagliari, inklusive Transport. Nach dem Besuch der Nuraghe stehen außerdem das Casa-Zapata-Museum und die Domus de Janas auf dem Programm – eine rundum komplette Tour.
Weitere beeindruckende Nuraghen auf Sardinien
Nuraghe Losa (Oristano)
NNuraghe Losa zählt zu den am besten erhaltenen Nuraghen Sardiniens. Sie verfügt über:
- einen großen zentralen Turm
- Nebengebäude
- einen markanten rechteckigen Eingang
Du kannst hier frei durch Gänge und Räume laufen – perfekt, um zu sehen, wie ausgeklügelt und technisch fortschrittlich diese Bauwerke waren.
Nuraghe Santu Antine
Diese Nuraghe liegt bei Torralba, in der Region Sassari, und wird auch das „Haus des Königs“ genannt. Klingt bedeutend – und das ist sie auch. Sie zählt zu den größten Nuraghen der Insel und stammt aus dem 16. Jahrhundert v. Chr.
Besonders sind hier:
- mehrere Etagen
- ein regelrechtes Labyrinth aus Gängen
- Treppen mit Blick über die Landschaft
Von oben versteht man sofort, warum dieser Ort strategisch so wichtig war.

Nuraghe Santu Antine
Diese Nuraghe liegt bei Torralba, in der Region Sassari, und wird auch das „Haus des Königs“ genannt. Klingt bedeutend – und das ist sie auch. Sie zählt zu den größten Nuraghen der Insel und stammt aus dem 16. Jahrhundert v. Chr.
Besonders sind hier:
- mehrere Etagen
- ein regelrechtes Labyrinth aus Gängen
- Treppen mit Blick über die Landschaft
Von oben versteht man sofort, warum dieser Ort strategisch so wichtig war.
Nuraghe Arrubiu
Weiter im Landesinneren liegt Nuraghe Arrubiu. Der Eintritt kostet etwa 5 €. Du kannst vor Ort einen Guide buchen oder erhältst alternativ ein informatives Heft. Der Name bedeutet wörtlich „rote Nuraghe“, benannt nach dem rötlichen vulkanischen Gestein. Es gibt einen großen Parkplatz.
Das ist kein einzelner Turm, sondern eine riesige Anlage mit:
- mehreren Türmen
- Innenhöfen
- Wohnbereichen
- Werkstätten
Wenn du nur einen Ort besuchen möchtest, der zeigt, wie groß und organisiert das Leben rund um die Nuraghen war, dann ist es dieser.

Was bedeuten Nuraghen für Sardinien?
Für die Sarden sind sie weit mehr als alte Steine. Sie stehen für:
- Identität
- Stolz
- Geschichte
- Unabhängigkeit
Sie erinnern an eine Zivilisation, die technisch weit voraus war und ihren eigenen Weg ging. Und seien wir ehrlich: Das Mysterium spielt eine große Rolle. Solange niemand genau weiß, warum sie gebaut wurden, bleiben sie faszinierend.
Genau das macht den Besuch einer Nuraghe so besonders: Du schaust nicht nur auf ein altes Bauwerk – du blickst auf ein steinernes Rätsel, das seit tausenden Jahren besteht.




