Sardinien blickt auf eine lange und vielseitige Geschichte zurück. Im Laufe der Jahrhunderte siedelten die unterschiedlichsten Völker auf der Insel: Unter anderem hinterließen die Nuraghen-Kultur, die Phönizier, Römer und Spanier ihre Spuren. Das erkennst du noch heute an den zahlreichen archäologischen Ausgrabungsstätten, historischen Altstädten und alten Bauwerken, die dir bei einer Reise über die Insel begegnen. In diesem Artikel nehmen wir dich mit auf eine kurze Zeitreise durch die Geschichte Sardiniens – von den allerersten Bewohnern bis hin zu der Insel, wie wir sie heute kennen.
Die Geschichte Sardiniens im Überblick
- Prähistorie – Die ersten Bewohner
- ca. 1800–238 v. Chr. – Die Nuraghen-Kultur
- Phönizier und Karthager – Handel und Küstenstädte
- 238 v. Chr.–476 n. Chr. – Die römische Epoche
- Mittelalter – Die vier Judikate (Giudicati)
- 14.–18. Jahrhundert – Aragonesischer und spanischer Einfluss
- 1720–1861 – Das Haus Savoyen
- ab 1861 – Sardinien als Teil Italiens
- ab 1948 – Autonome Region
Die Nuraghen-Kultur
Um 1800 vor Christus entstand auf Sardinien die Nuraghen-Kultur. Die Menschen errichteten damals Tausende von Steintürmen, die sogenannten Nuraghen, von denen bis heute viele auf der Insel zu finden sind.
Wofür genau jede einzelne Nuraghe genutzt wurde, ist nicht vollkommen geklärt. Einige waren Teil größerer Dörfer und wahrscheinlich erfüllten die Bauwerke verschiedene Funktionen – etwa als Wohnraum, Verteidigungsanlage oder Versammlungsort. Da die Nuraghen-Bevölkerung selbst kaum schriftliche Quellen hinterlassen hat, sind archäologische Funde entscheidend, um ihre Geschichte zu rekonstruieren.
Eines der bekanntesten Beispiele ist Su Nuraxi di Barumini, das heute zum UNESCO-Welterbe gehört.
→ Lies mehr über die schönsten Nuraghen auf Sardinien

Die Phönizier und Karthager
Ab etwa dem 9. Jahrhundert vor Christus ließen sich phönizische Händler immer häufiger an den Küsten Sardiniens nieder. Die Insel lag äußerst günstig im Mittelmeer und entwickelte sich dadurch zu einem bedeutenden Knotenpunkt für den Handel.
Später geriet ein Großteil Sardiniens unter den Einfluss von Karthago. Städte wie Nora und Tharros wuchsen in dieser Epoche zu wichtigen Siedlungen heran. Die archäologischen Überreste dieser antiken Städte kannst du auch heute noch besichtigen.
→ Lies mehr über unseren Besuch in Nora


Sardinien unter den Römern
Im Jahr 238 vor Christus übernahmen die Römer Sardinien von Karthago. Die Insel wurde zu einer römischen Provinz, und die Römer bauten Straßen, Städte sowie weitere Infrastruktur auf.
Cagliari, das damals Caralis hieß, entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum. Auch Nora und Tharros wurden weiter ausgebaut. Die römische Geschichte ist auch heute noch hervorragend sichtbar – beispielsweise im Amphitheater von Cagliari und in den Ruinen von Nora.
Das Mittelalter: Die vier Judikate (Giudicati)
Nach dem Untergang des Römischen Reiches veränderte sich auf Sardinien vieles. Im Mittelalter entstanden vier unabhängige Reiche, die sogenannten Giudicati. Diese wurden von sogenannten Giudici (Richtern) regiert.
Die vier Gebiete waren Cagliari, Arborea, Gallura und Torres. Vor allem das Giudicato di Arborea spielte später eine prägende Rolle. Eine der bekanntesten historischen Persönlichkeiten dieser Epoche ist Eleonora von Arborea, die eine wegweisende Gesetzgebung für die Region auf den Weg brachte.
Von Aragon und Spanien zu den Savoyern
Ab dem 14. Jahrhundert geriet Sardinien immer stärker unter den Einfluss der Krone von Aragon. Später wurde die Insel Teil der spanischen Monarchie. Besonders in Alghero ist diese Geschichte auch heute noch spürbar: Die Stadt weist einen starken katalanischen Einfluss auf und bis heute wird dort eine katalanische Sprachvariante gesprochen.
Im Jahr 1720 fiel Sardinien an das Haus Savoyen. Das spätere Königreich Sardinien spielte schließlich eine entscheidende Rolle bei der italienischen Einigung.
Sardinien wird Teil Italiens
1861 entstand das Königreich Italien. Von diesem Zeitpunkt an gehört Sardinien zu Italien, auch wenn die Insel lange Zeit relativ arm und isoliert blieb.
Erst im 20. Jahrhundert änderte sich dies zügig: Straßen und Infrastruktur wurden ausgebaut und der Tourismus kam schrittweise in Schwung. Besonders ab den 1960er-Jahren entwickelte sich Sardinien zu einem überaus beliebten Urlaubsziel.
1948 erhielt Sardinien den Status einer autonomen Region innerhalb Italiens. Dadurch genießt die Insel eine Sonderstellung und kann in bestimmten Bereichen eine eigene Politik gestalten.
Gleichzeitig legt Sardinien großen Wert darauf, die eigene Kultur, Traditonen und Sprache zu bewahren. Genau diese Kombination aus einer langen, bewegten Geschichte und einer ausgeprägten eigenen Identität macht die Insel so faszinierend.
Historische Sehenswürdigkeiten auf Sardinien
Auf Sardinien gibt es verdammt viel Geschichte zu entdecken. Von archäologischen Stätten bis hin zu einem antiken Amphitheater in Cagliari – auch wenn dort natürlich ebenso viele neuere und wirklich wunderschöne Gebäude stehen. Hier habe ich dir eine Übersicht zusammengestellt:
Su Nuraxi in Barumini
Eines der am besten erhaltenen Nuraghen-Komplexe überhaupt. Dieses Bauwerk aus der Bronzezeit besteht aus einem großen zentralen Turm, der von einem Netzwerk kleinerer Türme und Mauern umgeben ist. Archäologen nehmen an, dass die Anlage als Festung oder als zeremonielle Stätte diente.
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Tharros
Eine antike phönizische und römische Stadt an der Westküste. Hier kannst du die Ruinen von Tempeln, Wohnhäusern und einer römischen Therme bewundern. Die einmalige Lage direkt am Meer macht dieses Areal zu einer spektakulären archäologischen Stätte.

Römisches Amphitheater Cagliari
Das römische Amphitheater von Cagliari wurde im 2. Jahrhundert nach Christus direkt aus dem Fels des Hügels gehauen. Früher fanden hier unter anderem Gladiatorenkämpfe statt. Heute kannst du noch einen Teil der alten Ränge und Gänge besichtigen und bekommst einen fantastischen Einblick in die römische Vergangenheit Cagliaris.
Castello in Cagliari
Ein mittelalterliches Viertel mit spanischen Einflüssen. Dieser Stadtteil liegt auf einem Hügel und bietet dir eine wunderschöne Aussicht über ganz Cagliari. Schmale Gassen, alte Stadttore und eindrucksvolle Basteien machen es zu einem echten historischen Highlight.
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Alghero
Eine Stadt mit katalanischen Einflüssen und einem wunderschönen historischen Zentrum. Die Stadtmauern, die gotischen Kirchen und die engen Gassen verleihen Alghero einen einzigartigen Charakter. Die lokale Bevölkerung spricht hier sogar heute noch einen katalanischen Dialekt.
→ Lies hier mehr über die Stadt Alghero
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Nora
Eine der ältesten Städte Sardiniens, gegründet von den Phöniziern und später von den Römern erweitert. Hier kannst du gut erhaltene Mosaikböden, römische Thermen und ein Amphitheater besichtigen. Die Ausgrabungsstätte liegt direkt an der Küste im Süden der Insel.
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→ Lies hier mehr über unsere Erfahrungen in der archäologischen Stätte Nora

Castelsardo
Castelsardo ist ein stimmungsvolles mittelalterliches Städtchen an der Nordküste Sardiniens. Das historische Zentrum liegt auf einem Hügel rund um das Castello dei Doria – eine Burg, die im 12. Jahrhundert von der Familie Doria erbaut wurde. Von den alten Gassen und dem Schloss aus hast du zudem einen wunderschönen Ausblick über die Küste und das Mittelmeer.


Die Flagge Sardiniens
Die Flagge Sardiniens fanden wir ziemlich auffällig. Du siehst nämlich eine weiße Flagge mit einem großen roten Kreuz und in jedem Feld einen Männerkopf mit weißem Stirnband. Diese stehen für die Vier Mohren – im Italienischen auch als Quattro Mori bekannt. Sobald man von den Quattro Mori weiß, begegnet man ihnen auf Sardinien einfach überall.
Der Ursprung des Symbols geht auf das Mittelalter zurück und wird häufig mit dem Kampf der Aragonesen gegen die islamischen Mächte auf der Iberischen Halbinsel in Verbindung gebracht. Über die genaue Bedeutung und Herkunft der vier Köpfe herrscht jedoch keine vollständige Gewissheit. Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich zudem die Art und Weise, wie sie auf der Flagge dargestellt wurden.

Häufig gestellte Fragen
Das lässt sich schwer genau beantworten, da bereits in der Prähistorie die ersten Menschen auf Sardinien lebten. Die Menschheitsgeschichte auf Sardinien reicht somit extrem weit in die Vergangenheit zurück.
Der Name Sardinien stammt wahrscheinlich vom lateinischen Sardinia ab – der Bezeichnung, die die Römer für die Insel nutzten. Woher dieser Name exakt kommt, ist nicht ganz sicher. Eine bekannte Theorie besagt, dass er auf die Sardoner (Sardi) zurückgeht, ein antikes Volk, das auf der Insel lebte.






